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Dogmatisches Schnarchen: Eine Erwiderung auf „Ist da noch jemand wach?“

by David

Einleitung

Immanuel Kant bemerkte einst in seinen Prolegomena, David Hume habe ihn aus dem „dogmatischen Schlummer“ geweckt. Bertrand Russell ergänzte über ein Jahrhundert später süffisant, dieses Erwachen sei nur vorübergehend gewesen und Kant habe bald ein Schlafmittel erfunden, das es ihm ermöglichte, wieder einzuschlafen.

Wer nun eine blutleere, akademisch-höfliche Replik erwartet, sei gewarnt. Wenn ein intellektueller Angriff derart polternd vorgetragen wird, ziemt es sich nicht, mit Samthandschuhen zu antworten.

Es gehört zur intellektuellen Redlichkeit, an einen promovierten Autor andere Maßstäbe anzulegen als an einen Erstsemester. Man schwankt bei der Lektüre von Wolfram Eilenbergers „Ist da noch jemand wach?“ daher beständig zwischen Mitleid und Befremden. Der Autor ignoriert nicht nur den aktuellen Diskussionsstand der modernen Philosophie, er bedient sich auch marktschreierischer Parolen, die der akademischen Realität völlig entbehren.

Ein solcher Text lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder handelt es sich um eine bemerkenswerte Amnesie bezüglich der eigenen universitären Grundbildung, oder hier opfert jemand wider besseres Wissen intellektuelle Redlichkeit für den billigen Applaus des Populismus. Beides ist auf seine ganz eigene Art abstoßend.

Der Artikel zelebriert jenen prätentiösen Stil, der das deutsche Feuilleton so verlässlich lähmt: eine Überdosis komplexer Syntax, garniert mit Akademismen und pathetischen Metaphern. Schaltet man diese semantische Nebelmaschine ab, bleibt eine denkbar banale Milieukritik übrig, der lediglich die Illusion von Tiefsinn eingehaucht werden sollte.

Um der Objektivität Genüge zu tun, beginne ich mit dem einzig validen Punkt des Artikels.

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